Abu Simbel zieht um...

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Der Umbau / Die Versetzung des Tempels

Abu Simbel, versteinerter Zeuge der Machtvollkommenheit des göttlichen Pharaos Ramses des II., in den Fels gemeißelt überstand Jahrtausende nach seiner Erschaffung fast unversehrt. Doch die Neuzeit stellte dieses Bauwerk vor ein Problem, bei Assuan soll ein Staudamm entstehen, der Abu Simbel für immer in seinen Wassermassen versenken sollte. Die UNESCO rief die ganze Welt zum Erhalt dieses Sonnenwunders auf, in vielen Ländern fand das Appell Gehör und es wurden viele Vorschläge unterbreitet Abu Simbel zu retten, die allerdings letztendlich an technischen sowie finanziellen Problemen scheiterten. So schien das meisterliche Bauwerk schon bald als verloren.

               

In letzter Stunde sozusagen kam ein Ingenieurbüro aus Schweden zur Hilfe (Vattenbyggnadsbryan) und unterbreitet einen Vorschlag der plausibel erschien, beteiligt waren anschließend 7 Firmen aus 5 Nationen: Fa. Atlas aus Kairo; Fa. Grands Travaux de Marseille aus Paris, Fa. Impregilo aus Mailand, Fa. Sentab aus Stockholm, Fa. Skanska Cementgjuteriet ebenfalls aus Stockholm und natürlich Fa. HOCHTIEF-Essen aus Deutschland! Sie schlossen sich gemeinsam zu der Rettungsaktion zusammen und machten das scheinbar Unmögliche plötzlich möglich.

Im Frühjahr 1964 standen sich nun die alten Gottheiten und deren scheinbaren Retter nun gegenüber, aus dem fernen Europa wurden Bagger, Planierraupen, Transporter, Werkzeuge, Krane und unzählige Einzelteile herangeschafft und all die Dinge die den Menschen das Leben inmitten der Wüste erleichtern sollten. Lebensmittel, Medikamente und Post wurden mit Flugzeugen aus Assuan herbeigeflogen. Aus der einst einöden Wüste wurde schnell eine moderne Großbaustelle.

                  

Seit Juni stieg das Wasser unaufhaltsam und ein Wettlauf gegen die Zeit beging, ein 360 Meter langer schützender Damm wurde um die beiden Tempel gebaut. Alles schien in Ordnung doch im November des Jahres 1964 platzte ein Traum, denn die fieberhaft arbeitenden Männer konnten das Ansteigen des Nils nicht verhindern. Dieser hatte bereits die Dammkrone bis auf 2 Meter erreicht, in letzter Minute wurde jedoch mit allen technischen Mitteln der Damm in die Höhe gesetzt, das somit die Arbeiten an den Tempeln nicht mehr beeinflusst werden konnten.

 

Nun galt es ein Gebirge von 60 Metern Höhe über den Tempeln abzutragen, ein riesiges Geflecht aus Stahlaussteifungen wurde angefertigt um jede Erschütterung zu vermeiden. 

Der poröse Sandstein der nunmehr älter als 3000 Jahre war, wurde mit Kunstharz-Injektionen verfestigt (17.000 Löcher und 33 Tonnen Kunstharz), die Fassaden wurden mit Sand in der Wüste verschüttet, um die Kolosse vor herabstürzenden Gesteinsbrocken zu schützen. 

 

Die Tempel wurden in 1036 Blöcke geteilt, die jeweils ein Gewicht von 20 bis 30 Tonnen auf die Waage brachten. Dazu kamen 1112 Felsstücke aus der Umgebung des Tempels.

Die Blöcke wurden mit großen Stahlankern versehen und auf die Transporter geladen und ins Landesinnere transportiert. Dort entstand ein riesiges Lager von Gesteinsblöcken die perfekt katalogisiert und durchnumeriert wurden um den exakten Wiederaufbau zu vereinfachen. Der erste Block wurde am 12.05.1965 verladen. 

                   

65 Meter höher und 180 Meter landeinwärts begannen schon die Wiederaufbauarbeiten, eine riesige Stahlkuppel soll verhindern das der neue künstliche Berg unter den Lasten zusammenbricht. Die Blöcke wurden exakt verfugt, somit ist es kaum erkennbar das dieses einzigartige Bauwerk jemals komplett zersägt und versetzt wurde.

Ein perfekter "Umzug" wurde glanzvoll beendet. Am 22.September 1968 wurde der "neue" Tempel eingeweiht und das Sonnenwunder fand erstmals im Februar wieder 1969 um einen Tag versetzt und einer Stunde Verzögerung wieder statt. Die Kosten des "Umzuges" beliefen sich auf ca. 42 Mio. Dollar.

Der Dank eines jeden Kulturliebhabers gilt der UNESCO, der Firma "Hochtief Essen" und all den anderen "Rettern" die sich dazu entschlossen haben, so ein Weltwunder nicht einfach seinem Schicksal zu überlassen.

 Was auch eine Sünde gewesen wäre denn der Wert eines solchen Bauwerkes der Antike ist unschätzbar.